Schon im Vorjahr machte sich eine Gruppe von Segelfliegern unseres Vereins des Aero-Clubs Braunschweig e.V. auf nach Brandenburg, um dort Thermik und Umgebung der Stadt zu erkunden. Die begeistert Zurückkehrenden überzeugten nun viele unserer Mitglieder, es in diesem Jahr ebenfalls zu versuchen. Praktisch (fast) alle Aktiven mit dem gesamten Flugzeugpark beteiligten sich an der „Expedition“. Ach ja, die vom LVN geliehene ASK 21 war auch dabei, ein Segelflugzeug, mit dem wir dann gern und viel geflogen sind. Ein Nachfolger unserer älteren ASK 13? Am Freitag, den 12. Juli fuhren wir dann mit Sack und Pack gen Osten.

Die Braunschweiger Teilnehmer in diesem Jahr.

Der dortige Verein hatte uns wieder eingeladen und war überrascht ob der zahlreichen Braunschweiger Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Ulf der voraus gefahren war, begrüßte mit seiner Frau Juliane die Ankömmlinge mit Kaffee und Kuchen. Das war schön!

Ob denn das gemeinsame Fliegen mit so vielen Fliegern und Flugzeugen aus BS klappen würde, war eine von den Brandenburgern gestellte Frage. Hier, das Ende vorwegnehmend: des klappte vorzüglich. Auch aus dem Ortsverein, dem Fliegerklub Brandenburg hatten sich etliche Mitglieder entschlossen, die 10 Tage unseres Dortseins fliegerisch zu verbringen. Es ist selbstverständlich, dass wir uns in alle Dienste auf dem Flugplatz nach Einweisung einklinkten.

Das Zeltlager wurde noch am Freitag aufgebaut samt großem Mannschaftszelt von der Braunschweiger Akaflieg (Danke dafür) für die knapp 40 Personen umfassende Teilnehmerzahl und auch das wichtige Küchenzelt. Dank zweier nicht fliegenden Ehefrauen wurde die hungrige Meute morgens und abends vorzüglich, ausreichend und immer köstlich bekocht und verwöhnt. Und erst von Hayung frühmorgens geholte Brötchen!!! Klasse! Der Morgenkaffee muss unbedingt auch gelobt werden.

Am ersten Flugtag wurde die ASK13 aufgerüstet.

Und auch die ASK21 machte ihre ersten Starts vor der „Skyline“ von Brandenburg.

Das Wetter spielte auch mit. Die Anfangstage zeigten sich mit durchgehend bedecktem Himmel und ohne direkten Sonnenschein. Obwohl von Fluglehrerseite festgestellt wurde, es wäre keine Thermik vorhanden, wurden Flüge eindeutig länger als eine Platzrunde gemacht und ein längster Flug mit 2,5 Stunden Flugzeit.

Bei den ersten Einweisungsflügen der Neulinge waren wir alle von der tollen Umgebung Brandenburgs fasziniert.

In Braunschweig haben ja auch die Oker ringsum den Stadtkern, den Nord- sowie den Südsee sowie den Kiesteich zwischen Bienrode und Waggum in der Nähe des Flugplatzes. Was uns in Brandenburg geboten wurde muss man einfach von oben selbst gesehen haben. Die Havel, von Berlin kommend, mäandernd mit vielen Inseln darin mitten durch die Stadt und um den Dom herum fließend, mehrere große Seen im Osten und Westen der Stadt. Der direkt neben dem Flugplatz gelegene und langgestreckte Beetzsee mit internationaler Ruderregattastrecke samt Tribüne, alles unvergessliche Eindrücke.

Trotz des vielen Wassers auch noch sehr gute Thermik wenn die Sonne schien, nachdem sich das Wetter gebessert hatte.

So wurden auch größere Streckenflüge um Berlin herum und bis in die Oberlausitz möglich. Obwohl Berlin immer noch nicht über seinen seit vielen Jahren im Bau befindlichen Flughafen „BER“ verfügt, musste natürlich der für den Linienflugverkehr gesperrte Luftraum genauestens von uns beachtet werden. Bei Flügen um Berlin herum müssen die Piloten im Nord- und Südbereich weit ausholen und im Osten sogar bis zur Oder und darüber hinaus bis nach Polen hinein fliegen. In der Regel starteten wir in Brandenburg wie auch in BS an der Winde. Nach dem Eingewöhnen wurde dann auch das Motor-Schleppflugzeug, eine Wilga aktiviert, die mit ihrem nicht zu überhörenden und sonoren Sound des Sternmotors vornehmlich die Überlandflieger an den Himmel zog. Aber auch Schul- und Übungsflüge im F-Schlepp wurden getätigt, so dass von mehreren die Startberechtigung oder die Verlängerung derselben erworben werden konnte.

Jeden Abend nach Beendigung des Flugbetriebes gab es ein Debriefing von der jeweiligen Startleiterin oder dem Startleiter des Tages. Genau so wie morgens das Briefing, was auf deutsch länger „Flugzeugführereinsatzbesprechung“ heißt, entsprechend die Flugzeugführerendbesprechung am Abend. Ziemlich am Anfang konnte einmal die diensthabende Startleiterin verkünden, dass insgesamt mehr als 100 Starts an diesem Tag gemacht wurden. Ein Zeugnis dafür, dass alle am Flugbetrieb Beteiligten sehr rege waren.

Der Wille viel und oft und auch wenn möglich lange zu fliegen führte folglich dazu, dass der Flugbetrieb manchmal bis zum Sonnenuntergang ausgedehnt wurde. Im Juli ist das ganz schön lange. Und dann noch der Abbau des Starts, das Verstauen etlicher Sfz. Im Anhänger und das Einschachteln der restlichen Flugzeuge in der großen Halle des Vereins. Wir staunten über das Augenmaß und das Können der Brandenburger Schachtel-meister, die wahre Wunder der Platzausnutzung vollbrachten. Übrigens die Brandenburger: Musterhaft in Organisation und Ordnung. Wir Braunschweiger haben uns da (hoffentlich) viel abschauen können.

Halle schachteln für Profis!

Die Küchenfrauschaft war natürlich gefordert, wenn der fliegende Teil kein Ende finden wollte. Eines Abends wurde (endlich) um 21:30 Uhr gegessen. Trotzdem wurden wir auch mittags verköstigt. Selbst frisch gebackene Waffeln gab es einmal.

Die Tage waren immer sehr ausgefüllt mit Flugbetrieb. Baden im nächstgelegenen See musste ausfallen, Stadterkundigungen auch. Das eine fiel dem Flugwetter zum Opfer, das andere wäre Schlechtwetterprogramm gewesen. Fliegerisch ist jedenfalls jeder auf seine Kosten gekommen.

Hervorzuheben ist noch ein Ziellandewettbewerb, durchgeführt und geplant von Ulf. Es waren recht strenge Regularien, die befolgt werden mussten. Zwei Fluglehrer (natürlich) aus Brandenburg und Braunschweig teilten sich den ersten Platz. Schön, dass auch ein Youngster unseres Vereins ganz weit vorne mitmischte.

Am folgenden Sonnabend war das Wetter tagsüber auch wieder schön und es wurde noch einmal tüchtig geflogen.Die Startrichtung an diesem Tag war gen Osten. Bei der Landung musste der Queranflug über dem Beetzsee erfolgen und der Endanflug führte über eine Straße mit einer Oberleitung hinweg. Das wurde von allen Piloten an diesem Tag auch gut geschafft.

Für den Abend war ein Gewitter angekündigt, man konnte es auch im Westen schon sehr deutlich sehen. Deswegen wurde früher Schluss mit Fliegen gemacht. Als wir dann gerade essen wollten, gab es sehr heftige Gewitterböen. Alle sprangen auf, um das Mannschaftszelt von innen festzuhalten. Schnell wurden auch noch zusätzliche Verspannungen von Außen und zusätzliche Häringe angebracht. Ein Kuppelzelt, eigentlich gar nicht gebraucht, flog davon, ohne Schaden anzurichten. Die kleinen Schlafzelte wurden mit mehr oder weniger Erfolg auf Standfestigkeit und Dichtigkeit geprüft. Der Gewitterregen war nicht von schlechten Eltern. Gegessen haben wir dann trotzdem und die Aufregung führte dann zu einem langen Abend im großen Zelt.

Auf einem doppelsitzigen Oldtimer, einer britischen Slingsby Baujahr 1954 konnte mitgeflogen werden. Emma, unsere junge Flugschülerin kurbelte nach Aussage des mitfliegenden Besitzers, er nannte sich stilgerecht „Sir Henry“, das Teil bis unter die Wolken, etwa 1200 m hoch. Großes Lob dazu.

Am letzten Tag des Lagers sollte noch bis 15 Uhr geflogen werden um dann mit dem nötigen Abbau zu beginnen. Hayung und Markus wollten an diesem Tag mit dem Arcus Punkte für den OSC-Wettbewerb einfliegen, was auch gelang. Danach Abbau und Einpacken von allem Mitgebrachtem, wobei alle noch Anwesenden tüchtig mithalfen. Als der sonst so belebte Zeltplatz wieder völlig leer war (komisch), begann das große Abschiednehmen von den zu Freunden gewordenen Brandenburgern, unseren großartigen Gastgebern. Wir durften ihre tollen Sanitärräume nutzen und auch im Wechsel putzen, ansonsten uns wie zu Hause fühlen was wir auch getan haben. Na, das Abwaschen des Geschirrs nach dem Essen war doch immer ein Happening. Heißes Wasser aus der Dusche holen, dazu Duschkopf abschrauben, den Kanister füllen, Duschkopf wieder anschrauben und das mehrmals in Abständen, weil, der Stöpsel des freistehenden Abwaschbeckens sehr, SEHR, undicht war. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und das abfließende Wasser als Vorspülung für Töpfe und Pfannen genutzt. Wir Braunschweiger(innen) sind unseren Gastgebern äußerst dankbar für die schöne Zeit, die wir bei Ihnen verleben durften.

Eine wunderbare Aktion unserer Segelfluggruppe war damit zu Ende. Einzeln traten wir die Heimfahrt an, wobei die früher Fahrenden das Glück hatten, nicht in den großen Stau bei Magdeburg zu geraten.

Dank gilt an dieser Stelle auch den beiden Damen, Nadja und Juliane, die uns küchenmäßig umsorgt haben. Auch Hayung, der großen Anteil an der Organisation und dem Erfolg des Lagers hatte, sei ganz herzlich bedankt.

Auch Markus, der für den Transportanhänger sorgen konnte hatte Anteil für unser Glück.

Schlußendlich auch allen Fluglehrern, denen die Ausbildung der Bedürftigen sowie die Sicherheit des Flugbetriebes die Aufgabe war, unser Aller Dank. Ohne die hier genannten wäre alles nicht gewesen!

Zum Schluss noch etwas Poesie in Form eines Gedichtes, welches schon in Brandenburg entstand:

Der kleine Kabelbinder

Auf dem Flug platz in Brandenburg ging ich so für mich hin,

um nichts zu suchen, das war mein Sinn.

Aber ich bin ja kein Sucher sondern ein Finder

und so fand ich einen kleinen, aber einsamen Kabelbinder.

Schon seit der Ankunft war eine Befestigung des Spornleders an der ASK 13 defekt.

Das hat uns bei den täglichen so wichtigen SichheitsChecks gar nicht geschmeckt.

Den Kabelbinder hatte ich, ordentlich, im Werkzeugkasten der Brandenburger geborgen.

An diesen erinnerte ich mich heute Morgen.

Ich will mich nicht loben,

aber jetzt ist der Schaden behoben.

Dem Finder und Reparatör

sind auch kleine Dinge wichtig

und auch sonst nichts zu schwör.

Text: Jürgen Daube

Bilder: Foto-Sammlung der Teilnehmer mit Auswahl von Lennard Waschke