Ein kurzes Ruckeln, das Seil zieht sich straff, und schon geht es los – in nur 2 bis 3 Sekunden hebt der Duo Discus mit Fluglehrer Michael Schoof und Flugschülerin Isabelle an Bord ab und beschleunigt auf etwa 100 Stundenkilometer. Ziemlich schnell und ziemlich steil geht es nach oben, und kurz darauf befinden sich die Beiden schon in etwa 400 Metern Höhe über dem Flugplatz in Waggum. Beim ersten Flug genießt Isabelle noch als Passagierin die Aussicht, beim zweiten Start darf sie schon die ersten Kurven fliegen und sich daran gewöhnen, wie es sich anfühlt, ein Segelflugzeug zu fliegen.
So spektakulär können in Ferien in Braunschweig sein – oder genauer gesagt, Ferien über Braunschweig. Zwölf Jugendliche nahmen im Rahmen des Ferienprogramms FiBS (Ferien in Braunschweig) an diesem Wochenende am Segelflugbetrieb der Segelfluggruppe des Aero-Club Braunschweig (ACBS) teil. Angeleitet wurden sie dabei von den drei Fluglehrern Sven Schmerwitz, Michael Schoof und Lennard Waschke sowie einem guten Dutzend Helfern. Denn Segelfliegen, das lernten die 14- bis 18-Jährigen schnell, funktioniert nur in der Gruppe.
„Um ein Segelflugzeug in die Luft zu bekommen, brauchen wir mindestens einen Windenfahrer, einen Startleiter, der den Funkkontakt zur Winde und zum Tower hält, und einen Helfer, der das Seil einklinkt und beim Start die ersten Meter an der Fläche mitläuft, damit der Flügel nicht den Boden berührt“, erläutert Fluglehrer Lennard Waschke. Und dann sind weitere Helfer nötig, um das Flugzeug nach der Landung wieder zurück an den Start zu schieben. Aber alles der Reihe nach.
Bevor es am Samstag zum ersten Mal in die Luft geht, steht noch eine kleine theoretische Einführung auf dem Plan. „Da geht es um grundlegende Dinge, die alle Flugschüler wissen sollten. Warum fliegt ein Flugzeug? Und wie verhalte ich mich auf dem Flugplatz?“, sagt Waschke. Direkt im Anschluss ist dann schon das erste Mal Muskelkraft gefragt. Die Flugzeuge müssen aus der Halle geräumt und an den Start geschoben werden. Beim anschließenden Startcheck wird noch einmal kontrolliert, ob am Flieger alles in Ordnung ist, und die Fluglehrer erklären, wie die Steuerung des Schulungsdoppelsitzers funktioniert. Dann wird es ernst.
Zwei Starts macht jeder Schnupperer am ersten Tag, am Sonntag folgt noch einmal das gleiche Programm. Zuerst fliegt allein der Fluglehrer, später dürfen aber auch die Schüler ran und erste Kurven fliegen. Finden Segelflugpiloten Thermik, kann ein Flug schon einmal etwas länger dauern. Sind keine Aufwinde vorhanden, wird es „nur“ eine Platzrunde. So geht es auch Isabelle und Fluglehrer Michael Schoof beim ersten Start. Nach fünf Minuten sind sie wieder unten. Isabelle strahlt trotzdem, so wie die meisten anderen Schnupperer nach ihrem „Erstflug“.
Und auch die Organisatoren ziehen am Sonntag ein positives Fazit: „Wir sind sehr zufrieden. Lehrern und Schülern hat es großen Spaß gemacht, und ich hatte auch ein richtig cooles Wochenende. Wenn jetzt noch ein paar Jugendliche bei uns bleiben und die Ausbildung zum Segelflugpiloten machen wollen, finden wir das natürlich super“, sagt Nico Wichmann, der die Aktion gemeinsam mit Jugendleiter Joshua Arntz organisiert hat.
Und was sagen die Schülerinnen und Schüler? „Ich fand es richtig gut. Mir hat das Segelfliegen viel mehr Spaß gemacht, als ich vorher gedacht habe“, sagt Isabelle. Wichtig fand sie auch, dass sie direkt Vertrauen zu den Fluglehrern fassen konnte: „Das hat vieles einfacher gemacht.“ Das klingt fast so, also ob Isabelle schon bald wieder in einem Segelflugzeugplatz Platz nehmen könnte.
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