Eintausend Kilometer im Segelflug!

Das war schon lange mein Traum, der jetzt endlich in Erfüllung gegangen ist.

Das Wetter war schon seit einigen Tagen für den 07.05. 2019 gut vorhergesagt und bereits am Tag zuvor begannen die Vorbereitungen. Am Montagmorgen war bei Topmeteo der Fläming sehr gut vorhergesagt und deutete auf einen Tag mit langer guter Thermik hin. Die erste Idee war deshalb, ein Jojo auf dem Fläming bis nach Polen, um dabei möglichst viele Kilometer zu sammeln.

Ich traf mich am Nachmittag mit Christoph zum Aufrüsten der ASH-26, um am nächsten Tag möglichst keine Zeit zu verlieren. Dafür vielen Dank an dieser Stelle. Am Abend hatte sich die Vorhersage allerdings etwas geändert und auch der Bereich nördlich Berlin sollte sehr gut werden. Daher plante ich als zweite Option ein 750 Kilometer Dreieck um Berlin mit einer Wende in Polen. Auf der polnischen Seite https://airspace.pansa.pl/ konnte ich mich über die Aktivität der polnischen Lufträume vorab informieren und so mehrere Strecken vorbereiten, welche ich dann am nächsten Tag nur noch im LX9000 eingeben musste.

Bereits am Vorabend konnte ich die ASH-26 aufrüsten.

Am Morgen des Flugtages war die Prognose ähnlich zum Vorabend geblieben, jedoch war im Regenradar noch die abziehende Front über dem Fläming zu sehen und damit war für mich die Richtung für den ersten Schenkel nördlich von Berlin klar. Ich war bereits um 08:30 Uhr am Flugplatz und half noch meinem D-Kader Kollegen Jan Ole aus Lüneburg, so dass er auch bei uns starten konnte. Um 9 Uhr öffnete dann der Sicherheitsdienst das Tor und ich konnte die ASH-26 in Richtung Start ziehen. Leider konnte das LX9000 die Wendepunktdatei nicht lesen und ich konnte meine geplante Aufgabe nicht deklarieren.

Rolf (H4) half mir mit seiner Wendepunktdatei, jedoch konnte ich damit nicht auf die Schnelle ein passendes FAI-Dreieck erstellen. Spontan blieb mir daher nur ein freier Flug. So verging dann doch etwas Zeit und mein geplanter Start um 9:30 Uhr war trotz meiner Vorbereitungen verstrichen. Die Stimmung am Start war leider auch hektisch und angespannt, so dass ich sehr froh war, mit dem Eigenstarter unabhängig zu sein. Da Rolf (H4) und Knud schon für die ersten Windenstarts startbereit waren, ging ich erst nach den beiden im Eigenstart in die Luft. So war es bereits fast 10:30 Uhr und damit war für mich auch an die 1000 Kilometer erstmal nicht zu denken. Mit Rückenwind ging es dennoch direkt nach Nordosten und ab der Heide waren bereits gute Steigwerte mit über 2,5 m/s anzutreffen. Durch kleine Umwege und Schwabbeln ging es relativ schnell weiter und an der Elbe hatte ich dann bereits die erste Thermik mit 3,5 m/s. Von da an gab es zunehmend bessere Aufreihungen bei etwa 25 km/h Wind.

Gegen 12 Uhr: Noch etwa 1100 m Basis, aber gute Steigwerte.

Ab der Mecklenburgischen Seenplatte ging es dann wirklich extrem gut im Geradeausflug weiter und die Höhe konnte ich dabei gut machen. Durch viele kleine geschickte Sprünge zwischen den nicht ganz klar strukturierten Aufreihungen flog ich dann bis in Sichtweite des Stettiner Haffs bis kurz vor die polnische Grenze. Dort überlegte ich dann weiter, um Berlin herum zu fliegen, aber entschied mich aufgrund des bis hierher geflogenen 129er Schnitts, doch lieber im Jojo möglichst viele Kilometer zu schaffen. Der Stundenschnitt lag sogar bei über 140 km/h. Der Gegenwind war deutlich zu spüren, also konzentrierte ich mich umso mehr die Linien möglichst effizient zu nutzen und dabei das Kurbeln zu vermeiden. Im weiter aufbauenden Wetter klappte das dann auch ganz gut und spätestens beim Wiedererreichen der Seenplatte ging es mit teilweise 5 m/s im Geradeausflug nach Südwesten.

Mit fast 130 km/h Durschnittsgeschwindigkeit führte mich der erste Schenkel bis kurz vor Stettin an der polnischen Grenze.

Meinen Schnitt konnte ich so trotz des Gegenwindes lange Zeit bei knapp 130km/h halten und mir kam der Gedanke, dass es heute doch vielleicht etwas mit den 1000 Kilometern werden könnte. Dazu musste ich aber auch die Schenkel möglichst lang halten, damit mir diese abends nicht ausgehen. In Richtung Elbe wurde es jetzt allerdings schattiger und die Wolken begannen, sich stärker auszubreiten. Dennoch waren die Steigwerte beim Schwabbeln stark genug, um ohne Kreis weiter zu fliegen. Nach der Elbquerung ging es bei inzwischen 7/8 weiter Richtung Heide und nach einigen Sprüngen konnte ich südlich Uelzen wieder gutes Steigen finden. Die Optik war allerdings nicht mehr so sicher und ich wendete nördlich von Celle.

Es war 15:20 Uhr und ich hatte bereits 600 Kilometer zurückgelegt. Der Rückweg sah dann erstmal wieder nach einer schönen Wolkenstraße aus. Doch das Steigen war nur vereinzelt anzutreffen und die Straße führte mich auf Kurs Berliner Luftraum. Nördlich waren große Flächen durch eine Abschirmung ohne Thermik vorhanden und nach Süden verlockte mehr Sonne dazu, den Kurs zum Fläming zu fliegen. Doch der Wind aus Südwest würde mich dazu zwingen, zwischen den eventuell vorhandenen Aufreihungen zu springen und so meinen Schnitt zu verlangsamen.

Ich flog etwas vorsichtiger und sprang dann etwas unsicher in Richtung Arendsee, wo eine einzelne Wolke stand. Doch als ich näher kam, hatte diese kaum Struktur und ich ärgerte mich bereits über eine Fehlentscheidung. Da auch die Elbquerung für viele Kilometer abgeschattet war, musste ich dort jedoch hoch ankommen, was glücklicherweise mit brauchbarem Steigen und dem Rückenwind nicht viel Zeit gekostet hat. Es ging weiter über die Elbe und voraus wurde es sonniger. Mein alter Flugweg war jedoch auch komplett abgeschattet und ich flog weiter südlich in Richtung Neuruppin, wo in einiger Entfernung wieder schöne Wolken standen. Dort ging es mit Steigwerten von bis zu 4 m/s auch wieder schnell hoch und eine Aufreihung an der Sonnenkante verlief knapp nördlich des Berliner Luftraums. Als im Funk die anderen über Abschirmungen und geringere Steigwerte im Fläming klagten, war ich dann doch froh, darüber nicht dort hin geflogen zu sein. Doch während alle anderen auf dem Rückweg waren, entfernte ich mich immer weiter von Braunschweig.

Ich hatte etwa 780 Kilometer zurückgelegt, es war kurz vor 17 Uhr und 180 Kilometer weit weg von Zuhause. Die Optik nach Osten war immer noch Hammer, allerdings entschloss ich mich, umzudrehen und den Heimweg durch die Abschirmungen anzutreten. Ich wusste, dass die 1000 Kilometer jetzt zum Greifen nah sind. Doch ich hatte wieder Gegenwind und auch die Steigwerte ließen massiv nach. Mein Ziel war es, bis in die Heide zu kommen und da mit hoffentlich auch später Thermik in Richtung Celle zu fliegen, um die 1000 Kilometer zu schaffen. Direkt nach Braunschweig wären es etwa 980 Kilometer gewesen. Bis vor die Elbe ging es noch halbwegs gut weiter, doch hier stellte sich eine große Abschirmung in den Weg. Das EDR-71 bei Klietz war bis 3700 ft aktiv. Genau darüber stand eine Wolke, welche den Anschluss in den etwas sonnigeren Süden versprach. Das war mir jedoch zu riskant und ich glitt behutsam an den letzten Wolken weiter in Richtung Elbknick. Knud war einige Kilometer vor mir und flog dort frisch gebildete kleine Wolken an. Ich entschied mich aber, da ich meine Hoffnungen auf die sandigen Elbrücken setzte, auf den Weg in Richtung Wittenberge. Davor war nur eine Wolke erreichbar, die trotz der guten Optik nur etwas mehr als 1m/s brachte. Ab jetzt hieß es, Geduld zu bewahren und möglichst oben zu bleiben.

Auch bei Wittenberge enttäuschten die Wolken und ich flog tiefer als gehofft über die Elbe, wo sich eine neue Wolke aufgebaut hatte. Auch die ging nur mäßig und erst als ich wieder über den sonnenbestrahlten Wäldern östlich von Lüchow ankam, konnte ich noch ein letztes Mal 3 m/s auf dem Integrator stehen sehen. Die Optik in Richtung Südwesten war von da trotz der späten Zeit um bereits 18 Uhr noch recht gut und wirkte eher wie später Nachmittag. Das brachte mir die Zuversicht, noch eine Chance zu haben. Jedoch zogen die Wolken nicht und wenn doch, gab es zwar kurz brauchbare Ausschläge, aber diese waren nicht zu zentrieren. Mit weniger als 1 m/s und immer wieder neuen vorsichtigen Vorstößen tastete ich mich bis kurz vor den Wald südlich von Uelzen. Dort stand ebenfalls eine wunderschöne letzte Wolke, wo ich die Hoffnung hatte, nochmal einen guten Aufwind aus dem Wald anzutreffen. Doch auch dort war nur sehr schwaches und unregelmäßiges Steigen zu finden. Ein letztes Mal an die Basis, dann hätte ich es geschafft. Mit viel Geduld war ich nach einer gefühlten Ewigkeit oben angekommen und hatte meine Endanflughöhe auf Braunschweig erreicht.

Da das allerdings nicht ganz für die 1000 Kilometer reichen würde, drehte ich Celle-Scheuen in den Rechner ein. 960 Kilometer standen inzwischen auf der Uhr und nach Celle waren es 47. Passt also! Vorsichtig glitt ich vor, fand aber nur leichtes Nettosinken, was meine Endanflughöhe kontinuierlich von 700 auf 400 Meter schrumpfen ließ. Nichtsdestotrotz hatte ich genug Reserven und die 1000 Kilometer waren nur noch einen letzten Gleitflug entfernt. In 300 Metern Höhe konnte ich dann mit über 1000 Kilometern im Segelflug am Flugplatz Scheuen den Motor anmachen und nach Braunschweig zurückfliegen.

Mit viel Geduld zum Ende des Fluges reicht es dann doch noch mit der letzten Thermik: Eintausend Kilometer!

Was für ein Flug! Bei meinem späten Start am Morgen hatte ich es nicht für möglich gehalten, diese Strecke zu schaffen. Nur durch das konsequente Nutzen der Aufreihungen war dies doch noch möglich geworden.

Danke an alle, die mich unterstützt und mir diesen Traum mit erfüllt haben.

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=7144040